5 Jahre Codingschule: Güncem und Marc im Interview

Aktualisiert: Apr 3




Die Codingschule wird 5 Jahre alt! Am 28. April 2016 fand der erste Workshop in Düsseldorf statt. Seitdem ist viel passiert: Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen mittlerweile in der Codingschule das Programmieren. Über die Entwicklungen der letzten Jahre haben wir mit den beiden leitenden Personen der Codingschule, Marc Bertram und Güncem Campagna, gesprochen.


Güncem, wie kam es zur Gründung der Codingschule?

Güncem: Die ursprüngliche Idee war tatsächlich, Frauen für das Programmieren zu begeistern. Wir wollten gründungsinteressierten Frauen die Skills vermitteln, die man braucht, um ein digitales Startup zu gründen. Als die Kurse kaum auf Nachfrage stießen, habe ich festgestellt, dass Frauen zu weit weg von Technologiethemen sind. Wenn man Women in Tech haben möchten, muss man mit Girls in Tech anfangen. Also führten wir mit einem Team aus Freundinnen und Kolleginnen einen Coding-Workshop für Mädchen durch, und tatsächlich war die Begeisterung bei den Mädchen groß. Diese Begeisterung war die Motivation, weitere Kurse anzubieten. Daraus ist dann die Codingschule entstanden.


Marc, wie bist du zur Codingschule gekommen?

Marc: Das war im November 2018 und damals hat die Codingschule neue Trainer*innen für Kinderkurse über eine Stellenanzeige gesucht. Da mich das Thema Programmieren schon immer begeistert hat und ich lange Zeit in der Kinder- und Jugendarbeit in meinem Stadtteil aktiv war, ist die Entscheidung mich als Trainer zu bewerben schnell gefallen.


Wie sieht euer Kursangebot denn heute aus?

Marc: Grundsätzlich unterscheiden wir heute zwischen Angeboten für Kinder und Jugendliche in der Codingschule junior und dem Weiterbildungsangebot für Erwachsene in der Codingschule. Los geht es bei uns mit Kursen für Kinder ab 10 Jahren. Neben dem spielerischen Lernen von algorithmischen Strukturen, vermitteln wir zahlreiche andere digitale Skills an Kinder und Jugendliche. Die thematischen Schwerpunkte liegen bei den Programmiersprachen Scratch und Python, und natürlich darf bei unseren Präsenzkursen auch der Raspberry Pi nicht fehlen. Neben Ferienkursen und unserem Format Codingwerkstatt, bieten wir seit diesem Jahr auch wöchentliche Online-Coding-Kurse für Kinder ab zehn Jahren an. Das Angebot für Erwachsene umfasst die Programmiersprache Python, Sprachen der Webentwicklung und das Themengebiet Data Science.


Lernen Kinder denn nicht im Informatikunterricht das Programmieren?

Güncem: Manche ja, die meisten aber nicht. Und leider ist Informatikunterricht nicht verpflichtend in jedem Bundesland.

Marc: Ich finde, man kann es auch sehr gut mit dem Musikunterricht vergleichen. Den gibt es in der Schule, allerdings lernen wir ein spezielles Instrument auch in außerschulischen Angeboten. Bei Programmieren ist es so ähnlich, die Schule sollte eine informatische Grundbildung vermitteln.


Warum sollen Kinder überhaupt programmieren lernen? Werden so viel Programmierer*innen gebraucht?

Güncem: Ich vergleiche den Bedarf für Programmierunterricht immer mit dem Bedarf für andere Unterrichtsfächer. In der Schule werden Physik, Biologie und Chemie unterrichtet, damit Kinder lernen wie das Leben und die Welt funktionieren. Mittlerweile ist unser Leben von so vielen digitalen Inhalten geprägt. Schon Kinder sollten lernen, wie die digitale Welt funktioniert und wie Algorithmen einen Einfluss auf unsere Entscheidungen nehmen.


Was waren eure Highlights in fünf Jahren Codingschule?

Güncem: Ach, da gibt es so einige. Das klingt jetzt vielleicht nach Marketingsprech, aber ich bin jedes Mal glücklich und stolz, wenn ein Kurs erfolgreich gelaufen ist. Wir stecken viel Arbeit in die Vorbereitung und wenn Teilnehmende zufrieden sind, dann ist das eine Belohnung für uns. Das Herz geht mir ganz besonders bei den Mädchenkursen auf. Wenn ich in einen Raum komme, in dem Mädchen von 10 -14 Jahren konzentriert an Coding-Projekten arbeiten, dann bin ich sehr glücklich.

Marc: Ich kann mich Güncem nur anschließen. Es sind die vielen besonderen Menschen, die an unseren Kursen teilnehmen und jeden Kurs zu etwas ganz Besonderem machen.


Hinter all den Angeboten steckt ja mit Sicherheit ein großes Team. Welche Menschen arbeiten mit euch in der Codingschule?

Marc: Ja, das stimmt wohl. Ohne das mittlerweile etwa 50 Personen große Team wäre all das nicht möglich. Das Team ist auch das, was die Codingschule zu etwas ganz Besonderem macht. Dabei besteht das Team aus Schüler*innen, die bei uns ihr Praktikum machen, bis hin zu Personen, die seit fast 40 Jahren im Berufsleben stehen. Aber nicht nur der große Altersunterschied spiegelt die Diversität des Teams wider, auch die beruflichen Ausrichtungen könnten kaum unterschiedlicher sein. Neben Lehrkräften und Lehramtsstudierenden mit der kompletten Bandbreite an Schulfächern, besteht das Team aus Personen mit unterschiedlichsten technischen und nichttechnischen beruflichen Laufbahnen.

Wie Güncem anfangs bereits erzählt hat, spielt für uns die Förderung von Mädchen in technischen Berufen eine große Rolle. Auch wenn wir in Deutschland noch viel dafür tun müssen, dass es mehr Frauen in technischen Berufen gibt, so ist es schön zu sehen, dass wir in der Codingschule einen in etwa ausgeglichenen Anteil an Frauen und Männern im Team haben.


Das sind ja ganz unterschiedliche Hintergründe. Wie können dann gleichbleibend gute Konzepte entstehen?

Marc: Ich will die Frage erstmal anders beantworten. Gerade durch die große Diversität in unserem Team entstehen unglaublich vielseitige Kurskonzepte. Die Konzepte werden bei uns immer im Team entwickelt und so muss man sich bereits bei der Erstellung mit den verschiedensten Meinungen und Vorstellungen zu einem solchen Kurs auseinandersetzen und auch immer mal die Perspektive wechseln. Das hilft uns sehr, die Kurse so aufzubauen, dass wir komplexe, technische Themen einfach vermitteln können. Sicherlich kommt es bei der Entwicklung auch mal zu Konflikten, aber, und das ist der Grund warum am Ende immer etwas besonderes entsteht, alle haben ein gemeinsames Ziel und brennen dafür ihr Wissen an andere Menschen weiterzugeben.


Was sind die Pläne der Codingschule für die nächsten Jahre?

Marc: Auch wenn die letzten fünf Jahre nicht immer einfach waren, so sind wir, denke ich doch, sehr zufrieden mit dem was wir bis jetzt auf die Beine gestellt haben. Im Bereich Bildung, egal ob für Kinder oder Erwachsene, passiert in Deutschland gerade unglaublich viel, so dass Vorhersagen relativ schwer sind. Ich denke aber wir haben in den letzten Jahren eine sehr gute Basis für all unsere Tätigkeitsbereiche geschaffen, um weiter zu wachsen.

Ich würde mir wünschen, dass wir auch in 5 Jahren noch mit einem so großartigen Team zusammenarbeiten und mit immer neuen Ideen Begeisterung bei Kindern sowie Erwachsenen wecken dürfen.

Güncem: Ich komme aus dem Ruhrgebiet und würde sehr gerne dort aktiv werden. Mal sehen, vielleicht gibt es bald die Codingschule Ruhr.


Vielen Dank für das Interview!